Eine Reise in die Vergangenheit II (Erzählungen...)

Hier könnt ihr über historische Dinge wie z.B. alte Fahrzeuge, ehemalige Linienführungen oder über stillgelegte Betriebshöfe sprechen.
Britzer Junge
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Eine Reise in die Vergangenheit II (Erzählungen...)

Ungelesener Beitrag von Britzer Junge » Freitag 26. Dezember 2014, 21:33

Vorab: Mit Bildern kann ich leider nicht dienen.

Vorwort: Da das Durchschnittsalter dieses Forums im Vergleich zu anderen etwas höher liegt ( :duck )
wäre es mal an der Zeit zu berichten wie es früher so war, auch um Erinnerungen aufzufrischen, zu erhalten
und an die Jugend weiter zu geben.

Von Geburt an bis 1996 habe ich in Neukölln an der Harzer Str. gelebt, also war die Linie 4 meine Haus- und Hoflinie.
Ich stand in den Achtziger Jahren nach Schulschluß oft an der Ecke Brockenstr. um die Wagennummern vom Einsetzer
oder den Tourenwagen zu notieren und habe diese Aufzeichnungen leider längst beseitigt.
Obligatorisch war damals die Frage "Fahrer haste mal´n Block" :grin

Es kam auch vor, das ich an der Teupitzer Str. von Fahrern aufgefordert wurde, die Wagennummern nicht aufzuschreiben.

Zur damaligen Zeit gab es noch das "Kinderscheckheft" und da war mal die Aufgabe am Möbel-Hübner-Popbus Mäuse zu zählen.
Die Fahrer müssen ziemlich verdutzt gewesen sein wenn ich da um den Wagen lief :grin
Damals hatte ich noch nicht das Hintergrundwissen das ein Bus auch von Spandau kommen kann und es ewig dauert
bis man ihn in Neukölln sieht. :aetsch

Irgendwann, um 1986/87 herum, gab es Samstags E2H-Wagen als 4E von Harzer Str. zur Karl-Marx-Straße.
Da es das Zielschild nicht gab, wurden Seitenschilder der DE-Wagen in die Frontscheibe gesteckt.

Ein Fahrer (er kam von Cicero) ist mir besonders in Erinnerung geblieben. Relativ klein war er, sagte aber jede Haltestelle an
und sei es die erste nach Abfahrt und ich der einzige Fahrgast. Sieke oder Siemens glaube ich, hieß er.

Zur Tante nach Lichterfelde in die Thermometersiedlung mußte (da es keine S-Bahn gab, oder die Monatskarte es nicht hergab*) immer umständlich gefahren werden. Vierer zum Platz der Luftbrücke, 96er bis Ostpreußendamm, 86er bis Celsiusstr., das waren Weltreisen, aber man sah dadurch so ziemlich alle Wagenarten :grin
(*)Damals gab es noch U-Bahn-Teilnetze und man mußte sich ein bis drei Buslinien aussuchen die man mit der Monatskarte nutzen wollte.
Wie wir zum Strandbad Wannsee fuhren weiß ich nicht mehr, habe aber den 53E noch als Bild vor mir.
Alle zwei Wochen ging es Sonntagsfrüh mit dem Vater zum Fußball ins Stadion Britz-Süd, also 91er und Skupin-Gebiet.
Herrlich :grin Und durch die "Auswärtsspiele" kam man auch in Gegenden mit Busverkehr in Berlin die man sonst nicht sah.

Noch nicht müde vom lesen? :duck

Wenn die Großeltern riefen, ging es mit dem Fahrrad in das Koloniegebiet zwischen Johannisthaler Ch. und Parchimer Allee,
da bin ich öfter zum Ortolanweg gefahren zum damaligen 25E als tlw. 2 Wagen nebeneinander und entgegengesetzt zum heutigen 181er standen.
Später dann (Sensation!) die kleinsten Busse überhaupt auf dem 93er, das war sehr interessant, zumal er wochenends
nur stündlich fuhr.

Am anderen Ende, also der Johannisthaler Ch. war (und ist bis heute) das Sportbad Britz. Dort sah ich einmal einen DE-Bus,
mit einem Dreieckzielschild, aber leider kann ich dazu nichts im Internet finden, gehe deshalb davon aus,
das daß wohl eine Sonderfahrt war.

Mein Onkel war jahrelanger Fahrer auf Lichterfelde und kam (für mich leider zu spät :veraer ) dann doch noch nach Britz,
da kam auch schonmal der Anruf "Wie muß ich bei Linie X fahren?", an Wochenenden oder Ferien bin ich tlw. ganze Dienste
mitgefahren a la 16 Runden Linie 58 in Rudow. :grin2
Sehr lustig wurde es, wenn mein Onkel den 93er fuhr und meinen Vater auf Arbeit traf, waren beide doch gleich alt
und durchliefen die gleichen Schulklassen. Jaja, damals... :traurig2

Die Zeit des Mauerfalls war sehr aufregend. Der 4er wurde eingestellt, dafür fuhr der 141er in beide Richtungen
einmal um die Teupitzer Brücke, es gab Solidaritätsbusse auf dem 95er, Ikarusbusse in Neukölln,
später der 104er der einmal um den Treptower Park fahren sollte, was er aber nie tat
und erste spannende Fahrten allein nach Köpenick zum Fußball mit der rumpelnden Straßenbahn
die man schon kannte von den Besuchen der Ur-Oma in Altglienicke :wink:

Danke fürs aushalten dieses Beitrages :win:
Das Vorwort bitte nicht allzu ernst nehmen. :grin

Das einige Passagen dieses Beitrages in ähnlicher Form schon gepostet wurden bitte ich zu entschuldigen. Vielen Dank!
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3er
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Re: Eine Reise in die Vergangenheit II (Erzählungen...)

Ungelesener Beitrag von 3er » Sonntag 28. Dezember 2014, 16:54

Das ist ja eine wirklich großartige Geschichte... :dan

Ich bin 71er Baujahr und habe ähnliches erlebt. Allerdings nicht im Raum Neukölln, sondern in Zehlendorf. Früher gab es noch den Spruch '36 brennt, 37 pennt', angelehnt an die alten Postleitzahlen.

Ich fuhr jeden Tag von Zehlendorf mit dem 18er von der Kurstraße nach Tempelhof zur Friedrich-Wilhelm-Str.

Morgens fuhr meine Mutter mich zur Haltestelle Dahlem Clayallee, E. Königin-Luise-Str. zum 68er. Damit ging es dann nach Tempelhof. Das war nicht spannend und ich war müde... Aber nach Schulschluss ging es fix von der Montessouri-Grundschule zum 68er. Wir hatten, glaube ich, um 13.00 Uhr Schluss und ich musste wie ein Irrer zum Bus rennen, weil er 13.12 Uhr oder so abfuhr. Ich hätte mir auch Zeit lassen können, aber ein Viertelstundentakt war für (West-)Berliner Verhältnisse schon eher selten.

Und an der Friedrich-Wilhelm-Str. gab es ja auch nix zu sehen, außer einen 96er zur Lindenstr.
Die 96E zum Beeskowdamm fuhren ja um diese Zeit noch nicht.

Und es gab noch den amerikanischen Linienverkehr... War es Linie B? Westloop oder Eastloop? Ich weiß es nicht mehr. Aber da diese Busse nur im Stundentakt (?) fuhren, war eine Sichtung eher selten. Ich weiß nur, dass es häufig Magirus-Deutz in weißem Anstrich waren.

Na dann... den Bus erwischt, am Rathaus Steglitz umgestiegen, stand ich dann an der Haltestelle vom 48er. Gefühlt stundenlang... Da kamen 48er als SD, D, als Jumbos und (wirklich) manchmal sogar (als 48E) als E2H. Alle Richtung Zehlendorf und, gefühlt, im 2 Min.-Takt.

Ich liebte damals die Brosebänder und Steckschilder. Die verschiedenen Schrifttypen, egal ob ein-, zwei-, oder dreizeilig. Herrlich.

Zehlendorf
Fischerhüttenstr. E. Potsdamer Str.

Zehlendorf
Fischerhüttenstr.
E. Potsdamer Str.

Zehlendorf
Winfriedstr.

In Zehlendorf Mitte, bzw. Clayallee E. Berliner Str. angekommen, wartetet ich auf den 18er. Ziele wie Kohlhasenbrück oder Steinstücken waren je nach Abfahrtzeit zu sehen. Und wenn es mal zu Opa nach Wannsee ging, auch wichtig. Aber dazu (bei gefallen) später mehr.

:win:
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Viele Grüße Euer
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Re: Eine Reise in die Vergangenheit II (Erzählungen...)

Ungelesener Beitrag von GraphXBerlin » Montag 29. Dezember 2014, 00:30

Wie wir zum Strandbad Wannsee fuhren weiß ich nicht mehr, habe aber den 53E noch als Bild vor mir.
Richtig. 53E von U-Krumme Lanke nach Strandbad Wannsee.
Ich liebte damals die Brosebänder und Steckschilder. Die verschiedenen Schrifttypen, egal ob ein-, zwei-, oder dreizeilig. Herrlich.
Dann freue Dich, dass ich dies gerade in Bildform dokumentiere / aufliste und in den nächsten Jahren als Buchform veröffentliche :-)
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